Donnerstag, 15. Januar 2015

Die Rebellion der Maddie Freeman [Rezension]

Autor/in: Katie Kacvinsky
Genre: Dystopie
Preis: 15,99
Verlag: Boje
Seiten: 366

Handlung: 
USA in der Zukunft- das Schulsystem unter Reform gestellt, die Technik so fortschrittlich wie noch nie und das alltägliche Leben unkomplizierter als je zuvor. 
Maddie, 17, lebt in einer Welt, in der die meisten Aktivitäten kaum mehr einen Handgriff erfordern- wohl aber einen Tastendruck. Die Digital School, eine von Maddies Vater erfundene, auschließlich online stattfindende Bildungseinrichtung, ermöglicht es den Schülern, innerhalb der eigenen vier Wände alles zu erlernen, wa für einen guten Schulabschluss benötigt wird. Aber auch all alles andere spielt sich in den Welten
der Computer ab, selbst das Treffen mit Freunden oder das Spazierengehen am Strand. Die Straßen sind wie ausgestorben, die Technik scheint die Menschheit fest im Griff zu haben. Auch Maddie stellt das Schulsystem schon lange nicht mehr in Frage. Doch als plötzlich der spontane und rebellische Justin auftaucht, wird Maddie klar, dass die Welt der sozialen Netzwerke nicht das ersetzen kann, was das wahre Leben ihr zu bieten hat. Auch die Bedeutsamkeit ihrer Rolle wird Maddie nicht vorenthalten und so muss sie sich bald schon zwischen ihrem Leben als computergesteueres Dasein und dem Leben in der echten Welt entscheiden- und in diesem Fall gegen ihren eigenen Vater.

Meine Eindrücke: 
Um ehrlich zu sein habe ich mich von vornerein mit nicht besonders hohen Erwartungen auf die Rebellion der Maddie Freeman eingelassen- dies lag zum einen daran, dass ich vor einiger Zeit schon einmal den Klappentext gelesen hatte und nicht besonders damit zu begeistern war, und zum anderen daran, dass die meisten Dystopien, die nach Panem oder der Bestimmungen veröffentlicht wurden, wie ein mehr oder weniger billiger Abklatsch wirkten oder einfach nicht das rüberbrachten, was ich haben wollte. 
Die Idee des Maddie-Buches klang an sich gar nicht so schlecht- die Beschreibung war nur einfach nicht besonders ausgefallen oder einnehmend. Vor einiger Zeit zwang ich mich spontan, wenigstens ein paar Blicke in das Buch hineinzuwerfen- wenn es nicht meinen Geschmack trifft, so sagte ich mir, kann ich es immer noch beseite legen. 

Ich begann also mit den ersten paar Seiten und muss ehrlich sagen: so schlimm wie befürchtet war es gar nicht. Dem Schreibstil habe ich es zu verdanken, dass ich relativ flüssig und ohne auffallend große Lesetiefs vorankam. Er war recht flüssig, nichts besonderes, aber auch nicht zu verachten. Dennoch wäre ich, wenn ich versucht hätte, das Buch in einem Zug durchzulesen, was zeitlich nicht möglich war, vermutlich des Öfteren mal hängen geblieben, da es der Story oftmals an der nötigen Spannung gefehlt hat, um mich zu fesseln. 
Was den Einstieg optimiert hat, war die relativ baldige Beschreibung des System der DS, der Digital School, das schlüssig nahe gebracht wird. Das Ganze wirkt nicht einfach mal schnell aus dem Ärmel gezogen und aufs Blatt geschmiert, es steckt eine Art dystopische Zukunftsvision dahinter, die dem Leser zeigt, wie unsere Welt in einigen Jahren vielleicht einmal aussehen könnte. Die "Digitale Schule" und das allgemeine Gesetz, dass jeder im Schulalter verpflichtet ist, dem Online-Unterricht beizuwohnen, ist sehr gut beschrieben, man kann sich alles bildlich vorstellen und die Zusammenhänge sind immer erkennbar. 

Maddie, ein junges Mächen, dessen Vater eng mit der Regierung zusammenarbeitet und das DS-System erfunden und in Gang gebracht hat, hat seit einem dunklen Ereignis ihrer Vergangenheit jegliche Zweifel an die digitale Welt abgeworfen und konzentriert sich nun voll und ganz auf ihre Schulbildung. Sie betrachtet es als ihre Pflicht, sich anzupassen, und das zu tun, was die Gesellschaft von ihr als vorbildliche Bürgerin erwartet. Doch dann begegnet sie auf einem Lernforum dem aufmüpfigen Justin, und schon nach dem ersten Treffen wird Maddie klar, dass Justin sich völlig von Jugendlichen aus ihrem Alter abhebt. 

Justins Auftreten findet schon innerhalb der ersten paar Seiten statt, was ich persönlich als etwas zu plötzlich empfand. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass der Leser sich etwas mehr mit Maddies Welt betraut machen kann. Bis mir dann klargeworden ist, dass es nicht besonders viel über sie zu erzählen gibt, denn ihr Leben besteht eigentlich nur aus dem täglichen Online-Unterricht mit einem visuellen Klassenzimmer, visuellen Lehrern und visuellen Klassenkameraden, dem Treffen ihrer Freunde auf sämtlichen sozialen Plattformen, die das Internet hergibt und sonstigen Aktivitäten, die die visuelle Welt ihr zu bieten hat-und davon gibt es viele. Es wird sehr schnell deutlich, wie eingeschränkt diese Form von Leben ist, das ständige Stubenhocken und auf den Bildschirmstarren, doch für Maddie ist dies anfangs der ganz normale Alltag. 

Justin, der für den Leser von Beginn an offensichtlich eine tragende Rolle spielt, ist anfangs noch recht schwer einzuordnen. Was positiv zu dem Verhältnis zwischen ihm und Maddie beigetragen hat war, dass seine Absichten erst nach und nach zum Vorschein gekommen sind. Er tritt also nicht schon von der ersten Sekunde an als tragischer, rebellischer Held auf, sondern ist stets eine Spur zu undurchschaubar, als dass man ihn sofort beurteilen könnte. 

Was mich etwas gestört hat war, dass die Grenze zwischen Justins und Maddies Welt anfangs ziemlich schwammig ist. Obwohl -wie Maddie bald schon herausfindet- Justin sehr offensichtlich rebellisch gegen das System gesinnt ist, und Maddie noch etwas erschüttert, aber sichtlich fasziniert, auf der anderen Seite des Ufers steht, werden Justin und seine Anhänger von der Gesellschaft weder verfolgt, noch geächtet. Oder, wenn das der Fall ist, so wird es jedenfalls nicht verdeutlicht. In den meisten Dystopien sind leben die Rebellen meist versteckt im Untergrund, sind automatisch die absoluten Feinde der Regierung und es gilt, sie erbarmungslos zu jagen, gefangen zu nehmen und zu elminieren. Daran erkennt man aber auch schon langsam, dass diese Art von Buch eher eine der "harmloseren" Sorte Dystopie ist. 

Maddie und Justin entwickeln also langsam eine Art Freundschaft (dieses Wort ist nicht unbedingt richtig gewählt, da Justin ihr relativ bald klarmacht, dass er für Freundschaften nicht die Zeit und die Kraft habe) und auch Justins Freundeskreis wird Maddie bekannt gemacht. Maddie ist sehr erstaunt darüber, dass manche Leute sich noch immer außerhalb von sozialen Plattformen und anderen Medien treffen, aber nach einer kleinen Eingewöhnungsphase fühlt sie sich sehr wohl und Computer und der sogenannte Flipscreen rücken immer mehr in den Hintergrund. 
Einige Dinge werden jedoch etwas unschlüssig dargestellt. Da gibt es zum Beispiel die rasante Verfolungsjagd, bei dem Justins Wagen plötzlich die Fähigkeit hat auf und unter Wasser zu fahren. Nun gut, ca 50 Jahre in der Zukunft, dennoch wirkte es etwas aus der Luft gegriffen und nicht besonders überzeugend. 

Auch die Beziehung der Menschen untereinander ist nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen. Auf dem jährlichen Empfang, der der DS zu Ehren veranstaltet wird, reden die Gäste kaum miteinander und kleben fast schon an ihren Flipscreens. Etwas später im Buch, bei einem Stromausfall, verlassen die Menschen jedoch plötzlich alle ihre Wohnungen, finden sich in kleinen Grüppchen zusammen und reden, als hätten sie sich schon immer gekannt. 
Auch das Bestehen von Clubs und anderen öffentlichen Einrichtungen, die ja eigentlich dem Prinzip der Digital School und dem Digital System entgegenwirken, wird gebilligt und scheint die Regierung nicht weiter zu stören. Zwar verlassen vergleichsmäßig immer noch wenig Menschen ihre Häuser, aber das Ziel der Staaten ist es ja, soviele wie möglich einzupferchen und in ihren vier Wänden zu halten. 

Was hingegen sehr eindrücklich gezeigt wird, ist das stete Gefangensein der gesamten Menschheit in einem gewaltigen digitalen System und wie gefährlich es sein kann, sich zu sehr davon umgarnen zu lassen. Wie an einigen Beispielen gezeigt, wird verlernt man immer mehr, in der Realtiät miteinander umzugehen und die meisten Beziehungen basieren nur noch auf moderenen Technik-Geräten und sozialen Netzwerken. Justin zeigt Maddie und somit auch dem Leser schnell, was man verpassen kann, wenn man sich der visuellen Welt verschreibt und dem echten Leben den Rücken kehrt. Die schönen Seiten des Lebens werden sehr deutlich veranschaulicht und ich habe mich des Öfteren gefragt, wie unsere Welt wohl ohne ständiges Smartphone-Gefuchtel und die zwanghafte Abhängigkeit von sozialen Plattformen wohl aussehen würde. 

Maddie, die sich anfangs noch sehr schwer mit der "echten Welt" tut, wird bald immer vertrauter mit ihr und beginnt, sie zu genießen und zu erkunden. Was allerdings etwas nervt, ist ihre quasi umgehend aufflackernde Liebe zu Justin, die irgendwie sehr vorraussehbar war und dennoch ein enttäuschtes Augenrollen meinerseits hervorgerufen hat. Zu meinem Glück reitet sie nicht allzu sehr auf ihren Gefühlen herum und gibt sich auch meistens Mühe, sich nicht zu offensichtlich preiszugeben (dieses schmachtvolle Seufzen und jemanden mit glühenden, verliebten Blicken abfeuern finde ich verstörend furchtbar). 

Was Justin hingegen sehr sympathisch macht ist, dass man lange Zeit überhaupt keine Ahnung hat, was er Maddie gegenüber empfindet. Meistens ist er recht distanziert und gibt ihr nicht wirklich das Gefühl, er würde ihre Zuneigung erwidern. Das lässt ihn zwar auch für den Leser irgendwie unnahbar wirken, aber mir persönlich ist das viel lieber, als einen ständig flirtenden Kopfverdreher zu haben, der ihr immer wieder zeigt, wie sehr er doch in sie verliebt ist. 

Insgesamt sind Maddie und Justin ziemlich beeindruckende Charaktere. Manchmal fand ich Maddie etwas widersprüchlich, da sie bsw. öfters betont, wie wenig sie mit der Außenwelt zu tun hat und dass sie sich davor fürchtet, es sie aber dennoch in ihrem Innern drägt, gegen das System zu rebellieren und der Cyberwelt zu entkommen. Es liegt aber natürlich auch nahe, dass dieses Verlangen all die Jahre von ihrem beinah tyrannischen Vater unterdrückt worden ist, und sie gar keine andere Wahl hatte, als sich von der Realtität abzuschotten. 
Was sie auch sehr sympathisch macht, ist die Eigenschaft, niemals auf ihren Talenten oder auf ihrem Aussehen herumzureiten. Dass sie überhaupt hübsch ist, erfährt man erst im Laufe des Buches durch Justins Bemerkungen. 

Sehr enttäuscht hat mich allerdings der Handlungsverlauf an sich. Ingesamt hat die Story nicht halb so viel zu bieten, wie bsw. Panem oder Ashes. Da es einen Fortsetzungsband gibt, mache ich mir deshalb aber nicht so viele Gedanken. Ich gebe mehrteiligen Büchern ja grundsätzlich eine zweite Chance, und vielleicht hat der zweite Band das, was mir im ersten verwehrt wurde. 
  
Fazit:
Insgesamt eine relativ gute Idee, die nur leider mit einem deutlichen Mangel an Spannung und Höhepunkten umgesetzt wurde. Das Ende empfand ich als sehr abgeflacht und sehr plötzlich. Was mir jedoch gefallen hat war, dass sich die Rebellion der Maddie Freeman ziemlich von den Dystopien unterscheidet, die man sonst so kennt. Einerseits ist dies sehr gut, weil es tierisch nervt, immer dasselbe vorgesetzt zu bekommen und immer die gleichen Wiederholungsmuster vorzufinden, andererseits aber auch etwas enttäuschend, weil es eben an Brutalität und Spannung fehlt. 
Sicher nichts für jeden, der Dystopien mag. Kein klares Muss, aber für einen Zeitfüller oder einen Unterhalter zwischendrin sehr gut geeignet!



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